Versicherung
Was sind Elementarschäden? Die Liste, die Ausschlüsse und die Kosten
Das Wichtigste in Kürze
- Elementarschäden sind acht Naturgefahren, die in der normalen Wohngebäude- und Hausratversicherung nicht enthalten sind. Sie brauchen einen Zusatzbaustein.
- Die wichtigste für Hausbesitzer ist Überschwemmung durch Starkregen oder Hochwasser, gefolgt von Rückstau.
- Grundwasser, Sturmflut und Regen durch offene Fenster sind ausgeschlossen.
- In der niedrigsten Gefährdungsklasse kostet der Baustein oft unter 100 Euro im Jahr.
Die acht Elementargefahren
Die Musterbedingungen des Gesamtverbands der Versicherer (VGB 2022) nennen den Baustein „weitere Elementargefahren“ und definieren jede Gefahr. Hier in verständlicher Form:
| Gefahr | Definition laut Bedingungen | Für dich relevant? |
|---|---|---|
| Überschwemmung | Überflutung von Grund und Boden des Grundstücks mit erheblichen Mengen Oberflächenwasser durch Ausuferung von Gewässern, durch Niederschläge oder durch Grundwasser, das dadurch an die Oberfläche tritt | Ja, die häufigste Gefahr |
| Rückstau | Wasser dringt aus den gebäudeeigenen Ableitungsrohren ins Gebäude, weil Gewässer ausufern oder Niederschlag fällt | Ja, bei Abläufen im Keller |
| Erdbeben | Naturbedingte Erschütterung des Erdbodens | Regional, etwa Oberrhein, Kölner Bucht, Schwäbische Alb |
| Erdsenkung | Naturbedingte Absenkung über natürlichen Hohlräumen | Regional; Bergbau ist ausgeschlossen |
| Erdrutsch | Naturbedingtes Abrutschen von Erd- oder Gesteinsmassen | Hanglagen |
| Schneedruck | Wirkung des Gewichts von Schnee- oder Eismassen | Schneereiche Regionen, flache Dächer |
| Lawinen | An Berghängen niedergehende Schnee- oder Eismassen | Alpen |
| Vulkanausbruch | Plötzliche Druckentladung beim Aufreißen der Erdkruste | In Deutschland praktisch nicht |
Was kein Elementarschaden ist
Sturm, Hagel, Blitz, Feuer und Leitungswasser gehören zur Grunddeckung der Wohngebäude- und Hausratversicherung. Sturm ist dort als Luftbewegung ab Windstärke 8 definiert, also ab etwa 62 Kilometern pro Stunde. Hagel ist fester Niederschlag in Form von Eiskörnern. Dafür brauchst du keinen Elementarbaustein. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass diese Gefahren bereits in der normalen Police stecken.
Die Ausschlüsse
Auch mit Elementarbaustein bleibt einiges unversichert. Die Musterbedingungen schließen aus:
- Sturmflut.
- Grundwasser, soweit es nicht an die Erdoberfläche gedrungen ist. Drückt es von unten durch die Bodenplatte, zahlt die Versicherung nicht. Mehr dazu unter Grundwasser im Keller.
- Regen oder Schnee durch nicht ordnungsgemäß geschlossene Fenster, Türen oder andere Öffnungen, es sei denn, der Sturm hat die Öffnung geschaffen.
- Erdsenkung durch Bergbau oder Bautätigkeit, weil sie nicht naturbedingt ist.
Dazu kommen zwei Punkte, die nicht in jedem Vertrag gleich sind:
- Wartezeit. Viele Versicherer lassen den Schutz erst nach einer Frist beginnen. Die Bedingungen der Sparkassen-Versicherung Sachsen nennen einen Monat, mit Ausnahmen beim nahtlosen Wechsel. Der GDV-Mustertext enthält keine Wartezeit. Wer erst bei Unwetterwarnung abschließt, ist beim Unwetter noch nicht versichert.
- Selbstbehalt. Bei Feuer, Leitungswasser und Sturm ist laut Stiftung Warentest kein genereller Selbstbehalt üblich, bei Elementarschäden schon.
Und bei Rückstau gilt die Obliegenheit, Rückstausicherungen funktionsbereit zu halten. Was das in der Praxis heißt, steht unter Rückstauklappe: Versicherung.
Gebäude und Hausrat getrennt
Der Baustein existiert zweimal: in der Wohngebäudeversicherung für das Haus und in der Hausratversicherung für das, was drin steht. Wer nur das Gebäude versichert, bekommt nach einer Überschwemmung die Wände repariert, aber keinen Euro für Waschmaschine, Möbel und Vorräte im Keller. Beispielbeiträge eines Vergleichsportals vom Januar 2024, jeweils für die niedrigste Gefährdungsklasse:
| Vertrag | Ohne Elementar | Mit Elementar | Aufschlag |
|---|---|---|---|
| Wohngebäude, 110 m², Frankfurt | ca. 242 € je Jahr | ca. 333 € je Jahr | ca. 91 € |
| Hausrat, 60 m², Frankfurt | ca. 77 € je Jahr | ca. 95 € je Jahr | ca. 18 € |
In höheren Gefährdungsklassen steigt der Aufschlag deutlich. Die Spannen je Klasse stehen unter Elementarversicherung: Kosten.
Wie viel Elementarschäden kosten
- 2025 war ein ruhiges Jahr: rund 1,4 Milliarden Euro versicherte Naturgefahrenschäden an Sachen, davon etwa 400 Millionen Euro durch Überschwemmung und Starkregen bei 88.000 Schäden, im Schnitt rund 4.700 Euro je Schaden.
- Im langjährigen Mittel seit 2002 liegen die Elementarschäden bei rund 2 Milliarden Euro im Jahr.
- Die Flut im Ahrtal 2021 kostete die Versicherer rund 8,75 Milliarden Euro bei 206.000 Schäden.
- Ende 2025 hatten rund 59 Prozent der Wohngebäude den Baustein, in Nordrhein-Westfalen 65, in Rheinland-Pfalz 59 Prozent.
Der Durchschnittsschaden von 4.700 Euro täuscht: Ein vollgelaufener Keller mit Heizung kostet schnell das Zehnfache. Ob die Pflicht kommt und wie du deine Gefährdungsklasse erfährst, steht unter Elementarversicherung: Pflicht und Stand.
Quellen
- GDV: Allgemeine Wohngebäude-Versicherungsbedingungen VGB 2022 (Wohnflächenmodell)
- Verbraucherzentrale: Versicherungsschutz gegen Elementarschäden (07/2026)
- Stiftung Warentest: Wohngebäude- und Elementarversicherung (09/2026)
- SV Sachsen: Besondere Bedingungen Elementar (Wartezeit)
- Check24: Pressemitteilung Elementarschutz (01/2024)
- Cash: GDV-Naturgefahrenbilanz 2025 (04/2026) · ERGO: Factsheet Überschwemmungen (04/2026) · Cash: Versicherungsdichte (07/2026)
Kurz beantwortet
Was zählt zu den Elementarschäden?
Nach den Musterbedingungen der Versicherer acht Naturgefahren: Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch, Schneedruck, Lawinen und Vulkanausbruch. Sturm und Hagel gehören nicht dazu, sie sind in der normalen Wohngebäudeversicherung enthalten.
Ist Starkregen ein Elementarschaden?
Ja, wenn er zu einer Überschwemmung führt, also Wasser auf dem Grundstück steht und von dort ins Haus läuft. Regen, der durch ein offenes Fenster oder ein undichtes Dach eindringt, ist kein Elementarschaden.
Was kostet der Elementarbaustein?
Ein Vergleichsportal nannte Anfang 2024 für ein Haus mit 110 Quadratmetern in der niedrigsten Gefährdungsklasse rund 91 Euro Aufschlag im Jahr, für den Hausrat einer 60-Quadratmeter-Wohnung rund 18 Euro.
Gibt es eine Wartezeit?
Bei vielen Versicherern ja. Ein Beispiel aus Bedingungen der Sparkassen-Versicherung Sachsen nennt einen Monat nach Vertragsbeginn. Die Musterbedingungen des GDV enthalten keine Wartezeit.