Vorsorge
Hochwasserschutz fürs Privathaus: wo das Wasser hereinkommt und was hilft
Das Wichtigste in Kürze
- Wasser kommt auf drei Wegen ins Haus: über die Oberfläche, aus dem Kanal und aus dem Boden. Jeder Weg braucht eine andere Maßnahme.
- Prüf zuerst die Gefährdung deiner Adresse. Das geht kostenlos im Internet.
- Die günstigsten Maßnahmen sind oft die wirksamsten: Lichtschächte aufkanten, Gefälle vom Haus weg, Abläufe sichern.
- Regen, der durch Fenster und Türen eindringt, ist nicht versichert. Hier hilft nur Vorsorge.
Schritt 1: Gefährdung prüfen
- Hochwasser-Check der Versicherer. Zeigt für deine Adresse die Gefährdung durch Flusshochwasser und Starkregen. Zum Hochwasser-Check
- Hinweiskarte Starkregengefahren. Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie zeigt im Geoportal, wie hoch das Wasser bei einem außergewöhnlichen und einem extremen Starkregen stehen würde. Laut der Produktbeschreibung des BKG (Stand 2024) sind 14 Länder abgedeckt; Bayern und Baden-Württemberg fehlen und haben eigene Karten. So liest du die Karte.
- Kommunale Starkregengefahrenkarte. Viele Städte haben eigene, genauere Karten. Such nach dem Namen deiner Stadt und „Starkregengefahrenkarte“.
- Hochwasserpass. Bewertet dein Gebäude einzeln. Die Selbstauskunft unter hochwasser-pass.com ist kostenlos.
Laut einer Auswertung der Versicherer von 2021 liegen knapp 12 % der Adressen in Deutschland in der höchsten Starkregen-Gefährdungsklasse.
Schritt 2: Die drei Wege des Wassers
| Weg | Schwachstellen | Maßnahmen |
|---|---|---|
| Über die Oberfläche | Lichtschächte, Kellertreppe, ebenerdige Türen, Garageneinfahrt | Aufkantungen, Abdeckungen, Schwellen, Barrieren |
| Aus dem Kanal | Bodenablauf, Dusche, WC, Waschmaschine im Keller | Rückstauklappe oder Hebeanlage |
| Aus dem Boden | Kellerwände, Bodenplatte, Rohrdurchführungen | Abdichtung durch einen Fachbetrieb |
Lichtschächte und Kellerfenster
Ausführlich mit Aufkantung, Abdeckung, Wandanschluss und Ablauf: Lichtschacht abdichten.
Lichtschächte sind bei Starkregen oft der erste Weg ins Haus. Die Verbraucherzentrale NRW schreibt: „Das Anheben der Lichtschächte um mind. 15 cm kann verhindern, dass Regenwasser ins Haus gelangt.“ Die Stadtentwässerung Dortmund empfiehlt wasserdichte Abdeckungen und eine Aufkantung möglichst über der Rückstauebene.
Achte auf den Ablauf im Lichtschacht. Hängt er am Kanal, kann bei Rückstau Wasser von unten in den Schacht drücken. Der Ablauf braucht dann eine eigene Rückstausicherung.
Türen, Kellertreppe und Garage
Systeme, Höhen und Kosten im Detail: Hochwasserschutz für Türen und Mobiler Hochwasserschutz im Vergleich.
- Aufkantung oder Schwelle an Kellertreppe und Eingängen. Wenige Zentimeter halten flach anströmendes Wasser ab.
- Dammbalken und Türschotts. Schienen bleiben am Rahmen, die Balken setzt du bei Unwetterwarnung ein. Ein Händler nennt zwei- bis dreistellige Beträge je Öffnung und ein Beispielset für 345 € (Stand 07/2026).
- Wasserdichte Türen und Fenster sind die dauerhafte Lösung und deutlich teurer. Belastbare Preisspannen haben wir dazu nicht gefunden. Hol Angebote ein.
- Ablauf vor der Kellertür gegen Rückstau sichern.
Gelände und Zufahrt
- Das Gelände soll vom Haus weg abfallen.
- Zufahrten anheben oder mit einer Bodenschwelle zur Straße versehen, wenn sie zum Haus hin abfallen.
- Flächen entsiegeln, damit Wasser versickern kann.
- Abläufe und Rinnen regelmäßig von Laub befreien.
Förderung
Ein bundesweites Programm für private Vorsorge haben wir nicht gefunden. Es gibt aber Programme von Ländern und Städten. Beispiele:
| Wo | Was | Höhe |
|---|---|---|
| Sachsen | Private Hochwassereigenvorsorge (Sächsische Aufbaubank) | Bis 50 % der Investition, höchstens 20.000 € je Gebäude. Gutachten bis 80 %, höchstens 1.200 € |
| Walldorf | Starkregen- und Hochwasserschutz, gültig 01.08.2026 bis 31.12.2027 | Beratung bis 500 €, kleine Maßnahmen 25 % bis 1.000 € |
| Dortmund | Schutz vor Überflutung, unter anderem Rückstausicherungen | Bis 1.000 € pro Objekt laut Mitteilung vom März 2025 |
Frag bei deiner Stadt und deinem Bundesland nach, bevor du einen Auftrag vergibst. Die meisten Programme fördern nur, was vor Baubeginn beantragt wurde.
Quellen
- Die Versicherer (GDV): Hochwasser-Check
- Land Schleswig-Holstein: Hinweiskarten Starkregengefahren
- epd: Starkregengefahr auf Online-Karten ablesbar (03/2025)
- Umweltbundesamt: Hochwasserpass
- Verbraucherzentrale NRW: Broschüre Starkregen (01/2025)
- Stadtentwässerung Dortmund: Risiken für Haus und Grundstück erkennen
- Cash: Starkregen-Gefährdungsklassen (GDV, 2021)
- Förderdatenbank des Bundes: Sachsen, private Hochwassereigenvorsorge
- Stadt Walldorf: Förderrichtlinie 2026
- Stadt Dortmund: Förderprogramm, Mitteilung vom 20.03.2025
- Kosten Dammbalken: baustoffshop.de
Kurz beantwortet
Wie finde ich heraus, ob mein Haus gefährdet ist?
Der Hochwasser-Check der Versicherer zeigt für jede Adresse die Gefährdung durch Flusshochwasser und Starkregen. Für viele Bundesländer gibt es außerdem die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie.
Wie hoch muss ein Lichtschacht aufgekantet werden?
Die Verbraucherzentrale NRW nennt mindestens 15 Zentimeter. Besser ist eine Höhe über der Rückstauebene oder eine wasserdichte Abdeckung.
Gibt es Förderung für privaten Hochwasserschutz?
Ein bundesweites Programm ist uns nicht bekannt. Sachsen fördert private Vorsorge mit bis zu 50 Prozent der Investition, höchstens 20.000 Euro je Gebäude. Einzelne Städte wie Walldorf oder Dortmund haben eigene Zuschüsse.
Was ist der Hochwasserpass?
Ein Nachweis des Hochwasser-Kompetenz-Centrums, der die Gefährdung eines Gebäudes durch Flusshochwasser, Starkregen, Kanalrückstau und Grundhochwasser bewertet. Die Selbstauskunft im Internet ist kostenlos, die Bewertung durch Sachkundige kostet Geld.