Ratgeber für Hausbesitzer. Mit Quellen belegt und datiert.Stand der Inhalte: 09.10.2026

Im Schadensfall

Grundwasser im Keller: Ursachen, Abdichtung und Versicherung

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundwasser kommt nicht aus dem Kanal und nicht über die Fenster. Es drückt durch Wände und Bodenplatte, oft erst Tage nach dem Regen.
  • Solange das Grundwasser außen hoch steht, nicht abpumpen. Sonst kann die Bodenplatte reißen.
  • Dauerhaft hilft nur eine Abdichtung, die zum Wasserdruck passt. Die Norm DIN 18533 unterscheidet dafür Lastfälle.
  • Die Elementarversicherung zahlt bei Grundwasser nur, wenn es vorher an der Oberfläche stand.

Warum Grundwasser nach Starkregen steigt

Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth hat es nach dem Hochwasser im Juni 2024 so erklärt: Nach tagelangem Dauerregen, im Beispiel rund 200 Millimeter in fünf Tagen, etwa ein Fünftel des Jahresniederschlags, sind die Böden gesättigt. Das Grundwasser steigt dann schnell, geht aber nur langsam zurück. Die Stadt Dresden beschreibt das gleiche Muster: Der Grundwasserspiegel reagiert verzögert und anhaltend. 2013 stand er in Teilen der Stadt höher als 2002, weil der Boden vorgesättigt war.

Besonders betroffen sind Lagen mit hohem Grundwasserstand, in München etwa Aubing, Moosach, Freimann und Riem. Die Stadt plant dort auf den Hochwasserstand von 1940 plus 30 Zentimeter. Eine dauerhafte Absenkung des Grundwassers ist wasserrechtlich nicht erlaubt.

Woran du Grundwasser erkennst

MerkmalGrundwasserRückstau aus dem KanalOberflächenwasser
AussehenKlar, geruchlosVerschmutzt, riecht nach AbwasserSchlammig, Laub, Schmutz
EintrittsstelleBoden-Wand-Fuge, Risse, RohrdurchführungenBodenablauf, Dusche, WCLichtschacht, Kellertür, Fenster
ZeitpunktSteigt nach dem Regen noch weiter, oft über TageWährend des RegensWährend des Regens

Die Stadt Königsbrunn gibt die einfache Regel: Grundwasser ist klar und geruchlos und steigt nach Regenende weiter, Kanalwasser ist verschmutzt.

Sofortmaßnahmen: warum du nicht gleich pumpst

Der Reflex ist, zu pumpen. Bei Grundwasser ist das gefährlich. Das Wasser im Keller drückt gegen das Wasser von außen. Nimmst du es weg, lastet der volle Auftrieb auf der Bodenplatte. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau warnte im Juni 2024: Die Bodenplatte kann reißen, das Gebäude kann aufschwimmen. Auch München und Königsbrunn raten vom Abpumpen ab, solange der Pegel außen hoch steht.

Eine Ausnahme: den Wasserstand so weit halten, dass Heizung oder Warmwasserspeicher trocken bleiben, wenn das ohne vollständiges Leerpumpen geht. Dafür eignet sich eine Tauchpumpe mit Schwimmerschalter, mehr dazu unter Welche Pumpe bei Wasser im Keller. Für die ersten Stunden gilt außerdem alles aus dem Ratgeber Wasser im Keller: was tun: Strom aus, nicht ins Wasser.

Welche Abdichtung dein Keller braucht

Die Norm DIN 18533 teilt die Beanspruchung in Lastfälle ein. Sie entscheiden, welche Abdichtung ausreicht:

LastfallBedeutung
W1-EBodenfeuchte und nicht drückendes Wasser. W1.1-E ohne Drainage, wenn das Grundwasser mindestens 50 Zentimeter unter der Unterkante des Kellers bleibt; W1.2-E mit Drainage nach DIN 4095
W2-EDrückendes Wasser, also Grundwasser oder aufstauendes Sickerwasser. W2.1-E bis 3 Meter, W2.2-E über 3 Meter Eintauchtiefe
W3-EErdüberschüttete Decken
W4-ESpritz- und Kapillarwasser im Sockelbereich

Viele Altbauten sind nur für W1-E gebaut. Steigt das Grundwasser heute höher als früher, wird aus Bodenfeuchte drückendes Wasser, und die alte Abdichtung kann es nicht halten.

Dauerhafte Lösungen und Kosten

Die Bausparkasse Schwäbisch Hall nennt auf Basis des Baukosteninformationszentrums (BKI, Stand Ende 2024, netto) diese Richtwerte:

MaßnahmeRichtwert netto
Außenabdichtung mit Bitumendickbeschichtungca. 170 € je m²
Erdaushub dafürca. 55 € je m³
Drainageca. 98 € je laufendem Meter
Innenabdichtung mit Dichtschlämmeca. 168 € je m²
Flächeninjektion innenca. 300 € je m²
Horizontalsperre gegen aufsteigende Feuchte236–286 € je laufendem Meter

Die Angaben derselben Quelle streuen an anderer Stelle stärker, für die Außenabdichtung bis 450 Euro je Quadratmeter. Eine Schleierinjektion von innen in das Erdreich wird nur individuell kalkuliert. Für eine nachträgliche weiße Wanne haben wir keine belastbaren Zahlen gefunden.

Eine Drainage leitet Wasser nur ab, wenn es einen Vorfluter gibt. Liegt sie unterhalb der Rückstauebene, braucht sie eine Hebeanlage. Gegen dauerhaft anstehendes Grundwasser hilft sie nicht, sie würde den Keller zum Brunnen machen.

Warum die Versicherung meist nicht zahlt

Die Elementarversicherung deckt Überschwemmung, und die setzt voraus, dass Wasser auf dem Grundstück steht. Grundwasser, das von unten durch Wand und Bodenplatte drückt, ist in den Bedingungen ausgeschlossen, solange es nicht an die Oberfläche getreten ist. Das Oberlandesgericht Köln (9 U 198/12) hat das bestätigt: Nur Grundwasser im Keller ist keine Überschwemmung. München spricht von drückendem Grundwasser als höherer Gewalt. Die Rechtsprechung dazu steht im Ratgeber Wasser durch Mauerwerk: zahlt die Versicherung?

Schimmel

Das Umweltbundesamt verweist auf den Zusammenhang zwischen Schimmel und Atemwegsbeschwerden. Kleine Flächen bis etwa einen halben Quadratmeter kannst du selbst beseitigen, größere gehören in die Hände einer Fachfirma. Entscheidend ist schnelles Trocknen. Dauer und Kosten der Trocknung stehen unter Trocknen: Dauer und Kosten.

Kurz beantwortet

Woran erkenne ich, dass es Grundwasser ist?

Grundwasser ist klar und geruchlos und steigt auch nach dem Regenende noch weiter. Kanalwasser aus Rückstau ist verschmutzt und kommt aus den Abläufen.

Darf ich Grundwasser im Keller abpumpen?

Nicht, solange außen das Grundwasser hoch steht. Das Wasser im Keller hält dem Druck von außen entgegen. Pumpst du es ab, kann die Bodenplatte reißen oder das Haus aufschwimmen.

Zahlt die Versicherung bei Grundwasser im Keller?

In der Regel nicht. Versichert ist nur Grundwasser, das an die Oberfläche tritt und von dort ins Haus läuft. Das Oberlandesgericht Köln hat entschieden, dass Grundwasser allein im Keller keine Überschwemmung ist.

Was kostet eine Kellerabdichtung?

Nach Kostenangaben der Bausparkasse Schwäbisch Hall auf Basis des BKI liegt eine Außenabdichtung mit Bitumendickbeschichtung bei etwa 170 Euro je Quadratmeter netto, eine Innenabdichtung mit Dichtschlämme bei etwa 168 Euro, eine Flächeninjektion innen bei rund 300 Euro je Quadratmeter.