Ratgeber für Hausbesitzer. Mit Quellen belegt und datiert.Stand der Inhalte: 09.10.2026

Versicherung

Elementarversicherung Pflicht: was beschlossen ist und was nicht

Das Wichtigste in Kürze

  • Stand 9. Oktober 2026 ist nichts beschlossen. Es gibt keinen Gesetzentwurf der Bundesregierung.
  • Geplant ist keine Pflicht wie bei der Kfz-Haftpflicht, sondern ein Modell, bei dem neue Verträge den Schutz enthalten und man ihn abwählen kann.
  • Rund 59 % der Wohngebäude haben den Schutz bereits.
  • Du musst nicht auf das Gesetz warten. Den Baustein kannst du heute bei deinem Versicherer anfragen.

Der Stand im Oktober 2026

DatumWas passiert istStatus
Juni 2024Der Bundesrat fordert per Entschließung eine flächendeckende PflichtversicherungForderung
Frühjahr 2025Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD: Im Neugeschäft soll die Wohngebäudeversicherung nur noch mit Elementarschutz angeboten werden. Bestandsverträge sollen zu einem Stichtag erweitert werden, ein Opt-out wird geprüft, eine staatliche Rückversicherung soll kommenAngekündigt
23. September 2026Bundesjustizministerin Hubig kündigt beim Versicherungstag des GDV ein Eckpunktepapier an, das zwischen den Ministerien abgestimmt wirdAngekündigt, Papier nicht veröffentlicht
1. Quartal 2027ReferentenentwurfAngekündigt
OffenKabinettsbeschluss, Beratung im Bundestag, InkrafttretenKein Termin

Der Koalitionsvertrag ist hier nach Fachberichten wiedergegeben. Die Aussagen der Ministerin stammen aus einer Rede. Verbindlich wird erst der Gesetzentwurf.

Wie das Opt-out-Modell funktionieren soll

Nach den bisherigen Aussagen der Ministerin sollen neue Verträge Elementarschutz in einem Mindestumfang enthalten. Wer schon einen Vertrag hat, soll ihn erweitern können. Kunden sollen aktiv widersprechen können. Hubig sagte dazu: „Entscheidend ist, dass die Menschen eine Wahl haben.“

Offen ist, was die Abwahl für Folgen hat. Dass man dann nach einer Flut keine Staatshilfe mehr bekommt, fordern Teile der Branche. Amtlich festgelegt ist das nicht. Auch die Ausgestaltung der staatlichen Rückversicherung ist offen.

Wer was fordert

  • Versicherer (GDV): gegen eine Pflicht, für Opt-out, verbindliche Prävention und eine öffentlich-private Lösung für Extremrisiken.
  • Verbraucherzentrale Bundesverband: automatischer Einschluss in neue Verträge, Umstellung des Bestands zu einem Stichtag, keine Umlage auf Mieter (Positionspapier von 2024).
  • Bundesländer: forderten 2024 über den Bundesrat eine flächendeckende Pflichtversicherung.
  • Haus & Grund: gegen eine Pflicht, für Opt-out-Angebote (Stellungnahme von 2024).

Wie viele versichert sind

Bundesweit haben rund 59 % der Wohngebäude Elementarschutz (Ende 2025, vorläufig). Die Unterschiede zwischen den Ländern sind groß: Baden-Württemberg liegt bei 94 %, weil der Schutz dort lange Pflicht war. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 37 %, Nordrhein-Westfalen bei 65 %.

Was der Schutz kostet

Der Preis hängt vor allem von der Gefährdungsklasse deiner Adresse ab. Versicherer nutzen dafür das System ZÜRS mit vier Klassen. Eine Auswertung im Wirtschaftsdienst nennt diese Aufschläge für den Baustein Elementar bei einem Muster-Einfamilienhaus mit 150 m² und bis zu 500 € Selbstbehalt (Tarife vom August 2025):

GefährdungsklasseAufschlag pro Jahr
ZÜRS 1 (geringste Gefährdung)ca. 93–294 €
ZÜRS 2ca. 239–648 €
ZÜRS 3ca. 1.322–1.506 €
ZÜRS 4 (höchste Gefährdung)ca. 1.128–2.079 €

Die Werte für ZÜRS 4 stammen von nur vier Anbietern. Laut Stiftung Warentest liegen rund 92 % der Adressen in Klasse 1 und etwa 1,5 % in den Klassen 3 und 4. Deine Klasse erfährst du bei deinem Versicherer.

Was versichert ist und was nicht

Alle acht Gefahren mit ihren Definitionen: Was sind Elementarschäden? Ob die Gebäudeversicherung selbst Pflicht ist: Gebäudeversicherung: Pflicht?

VersichertMeist nicht versichert
Überschwemmung durch Gewässer oder RegenGrundwasser, das von unten durchs Mauerwerk drückt
Rückstau, wenn eine funktionierende Rückstausicherung vorhanden istRückstau ohne funktionierende Rückstausicherung
Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch mit natürlicher UrsacheSturmflut (häufig ausgeschlossen)
SchneedruckRegen, der durch offene Fenster oder Türen eindringt

Was du jetzt tun kannst

  1. Schau im Versicherungsschein nach, ob „Elementarschäden“ oder „weitere Naturgefahren“ eingeschlossen sind.
  2. Prüf deine Adresse im Hochwasser-Check der Versicherer. Er zeigt die Gefährdung durch Flusshochwasser und Starkregen, aber nicht die ZÜRS-Klasse.
  3. Hol ein Angebot bei deinem Versicherer ein und frag nach Selbstbehalt, Wartezeit und Auflagen.
  4. Klär, ob deine Rückstausicherung vorhanden und gewartet ist. Davon hängt der Schutz bei Rückstau ab.

Dieser Artikel ist keine Versicherungsberatung. Maßgeblich sind die Bedingungen deines Vertrags.

Kurz beantwortet

Ist die Elementarversicherung Pflicht?

Nein. Stand 9. Oktober 2026 gibt es weder einen Gesetzentwurf der Bundesregierung noch einen Beschluss. Angekündigt ist ein Referentenentwurf für das erste Quartal 2027.

Was bedeutet Opt-out bei der Elementarversicherung?

Neue Wohngebäudeversicherungen sollen Elementarschutz automatisch enthalten. Wer ihn nicht will, muss ihn aktiv abwählen. Eine Pflicht wie bei der Kfz-Haftpflicht ist nach Aussage der Bundesjustizministerin nicht geplant.

Was kostet eine Elementarversicherung?

Eine Auswertung im Wirtschaftsdienst nennt für ein Muster-Einfamilienhaus Aufschläge von etwa 93 bis 294 Euro im Jahr in der niedrigsten Gefährdungsklasse und von über 1.100 Euro in den beiden höchsten.

Ist Grundwasser mitversichert?

Nur, wenn es an die Oberfläche tritt und von dort ins Haus eindringt. Sturmflut ist häufig ausgeschlossen.