Ratgeber für Hausbesitzer. Mit Quellen belegt und datiert.Stand der Inhalte: 09.10.2026

Vorsorge

Starkregengefahrenkarte lesen: so findest du das Risiko für dein Haus

Das Wichtigste in Kürze

  • Starkregengefahrenkarten zeigen, wo sich Wasser bei einem extremen Regen sammelt und wie tief es steht. Sie sind der beste Einstieg, um das eigene Risiko einzuschätzen.
  • Es gibt eine Bundeskarte für 14 Länder, Landeskarten für Bayern und Baden-Württemberg und viele genauere Stadtkarten.
  • Die Karten zeigen Oberflächenwasser. Rückstau und Grundwasser fehlen.
  • Für Versicherung und Baurecht haben die Karten keine direkte Wirkung.

Welche Karten es gibt

KarteAbdeckungWo
Hinweiskarte Starkregengefahren des BKG14 Länder (Produktstand 2024): Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringengeoportal.de, Suche nach „Starkregengefahren“
Bayern: Hinweiskarte Oberflächenabfluss und SturzflutGanz Bayern; zeigt Fließwege und Senken, keine WassertiefenUmweltAtlas Bayern des Landesamts für Umwelt
Kommunale Sturzflutkarten in BayernViele Gemeinden, teils mit WassertiefenWebsite der Gemeinde, z. B. Rosenheim
StadtkartenGenauer, oft mit Kanalnetz oder lokalen RegenszenarienKöln, Stuttgart, Hannover, Frankfurt

Gibt es für deine Stadt eine eigene Karte, nimm die. Das BKG selbst empfiehlt, lokale Karten zu bevorzugen und die Hinweiskarte mit den Hochwassergefahrenkarten der Länder zu kombinieren.

Die Szenarien verstehen

Die Bundeskarte rechnet zwei Fälle:

  • Außergewöhnlich: ein Regen, der statistisch einmal in 100 Jahren vorkommt, berechnet nach den Werten des Deutschen Wetterdienstes (KOSTRA-DWD 2020). Die Menge hängt von der Region ab; in Nordrhein-Westfalen sind das in einer Stunde 32 bis 70 Millimeter, meist 45 bis 50.
  • Extrem: 100 Millimeter in einer Stunde, überall gleich (NRW rechnet mit 90). Das ist der Fall, für den kein Kanal gebaut ist.

„Einmal in 100 Jahren“ heißt nicht, dass du 100 Jahre Ruhe hast. Die Wahrscheinlichkeit liegt in jedem einzelnen Jahr bei eins zu hundert. Kommunale Karten nutzen oft andere Werte, Rosenheim etwa 60 und 100 Millimeter je Stunde, bayerische Gemeinden im Programm KARE ein 30-jährliches Ereignis mit 44 und ein 100-jährliches mit knapp 55 Millimetern.

So liest du die Karte

  • Wassertiefe. Die Farben stehen für Klassen, zum Beispiel 5 bis 10, 10 bis 50, 50 bis 100 und über 100 Zentimeter. Darstellung meist ab 5 Zentimetern. Die Bundeskarte arbeitet mit einem Raster von einem Meter.
  • Fließwege. Pfeile zeigen, wo das Wasser läuft, in manchen Karten ab 0,2 Meter pro Sekunde, rot ab 0,5. Ein Fließweg, der auf deine Kellertreppe zeigt, ist die wichtigste Information auf der ganzen Karte.
  • Senken. Blaue Flächen ohne Abfluss. Dort steht das Wasser am längsten.
  • Vergleich Haus und Umgebung. Liegt dein Haus tiefer als die Straße, sammelt sich Wasser bei dir.

Die Stadtentwässerung Frankfurt macht daraus eine Regel: Eingänge und Fenster über die Überflutungshöhe des 100-jährlichen Szenarios legen. Das ist die Zahl, die du für Türschutz und Lichtschächte brauchst.

Was die Karte nicht zeigt

  • Rückstau aus dem Kanal. Die Frankfurter FAQ sagt es ausdrücklich. Bei Starkregen ist Rückstau aber eine der häufigsten Ursachen für Wasser im Keller. Mehr unter Rückstau: Grundlagen.
  • Grundwasser. Siehe Grundwasser im Keller.
  • Kanalnetz und Versickerung. Die Bundeskarte vernachlässigt beides. Sie ist damit an manchen Stellen zu pessimistisch, dort, wo ein Kanal ableitet, und zu optimistisch, wo Durchlässe verstopfen. Das BKG weist selbst darauf hin, dass Wasserstände real höher sein können.
  • Kleine Strukturen. Eine Gartenmauer, ein Bordstein oder eine offene Garage ändern den Abfluss, tauchen im Raster aber nicht auf.

Ein grünes Haus auf der Karte ist also kein Freifahrtschein. Geh einmal bei Regen ums Haus und schau, wo das Wasser wirklich läuft.

Was die Karte für Versicherung und Baurecht bedeutet

Nichts Unmittelbares. Das Landesamt für Umwelt in Bayern stellt klar: Die Karte hat keinen direkten Einfluss auf Versicherungsverträge und begründet keine Nutzungseinschränkungen, Ver- oder Gebote. Versicherer arbeiten mit eigenen Systemen: ZÜRS Geo für Flusshochwasser mit vier Klassen und einer Starkregen-Gefährdungsklasse (SGK) mit drei Stufen, von der Kuppe (1) über Ebene und Hang (2) bis Tal, Senke und Bachnähe (3). Beide sind nicht öffentlich. Deine Einstufung erfährst du beim Versicherer. Was sie kostet, steht unter Elementarversicherung: Kosten.

Kurz beantwortet

Wo finde ich die Starkregengefahrenkarte für meinen Ort?

Für 14 Bundesländer gibt es die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie im Geoportal des Bundes. Bayern und Baden-Württemberg haben eigene Karten. Viele Städte bieten zusätzlich genauere Karten an, etwa Köln, Stuttgart, Hannover und Frankfurt.

Was bedeutet ein 100-jährlicher Regen?

Ein Regen, der statistisch in jedem Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu hundert auftritt. In Nordrhein-Westfalen sind das in einer Stunde je nach Region 32 bis 70 Millimeter, meist 45 bis 50.

Was zeigt die Karte nicht?

Rückstau aus dem Kanal und Grundwasser. Die Bundeskarte rechnet außerdem ohne Kanalnetz und ohne Versickerung und kann kleine Mauern oder Durchlässe nicht abbilden.

Beeinflusst die Karte meine Versicherung?

Nein. Das Landesamt für Umwelt in Bayern stellt klar, dass die Karte keinen direkten Einfluss auf Versicherungsverträge hat. Versicherer nutzen eigene, nicht öffentliche Systeme.