Versicherung
Ist eine Gebäudeversicherung Pflicht?
Das Wichtigste in Kürze
- Gesetzlich ist die Wohngebäudeversicherung seit 1994 freiwillig.
- Praktisch kommst du selten ohne aus: Banken verlangen sie, Eigentümergemeinschaften müssen das Gemeinschaftseigentum versichern.
- Beim Hauskauf übernimmst du den Vertrag des Verkäufers und hast einen Monat Zeit zum Kündigen.
- Für Elementarschäden plant die Bundesregierung ein Modell, bei dem neue Verträge den Schutz automatisch enthalten. Beschlossen ist es nicht.
Keine gesetzliche Pflicht seit 1994
Bis Mitte der 1990er-Jahre gab es in einigen Bundesländern staatliche Gebäudeversicherungsanstalten mit Versicherungspflicht, etwa in Baden-Württemberg, Hamburg oder Bayern. Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Versicherungsbinnenmarkt wurden diese zwölf Pflicht- und Monopolanstalten zum 1. Juli 1994 abgeschafft. Der Landtag von Baden-Württemberg hält in einer Drucksache fest: Damit wurde gleichzeitig die Pflicht zur Versicherung von Gebäuden aufgehoben. Seitdem entscheidet jeder Eigentümer selbst.
Das erklärt übrigens, warum Baden-Württemberg heute mit 94 Prozent die höchste Elementar-Versicherungsdichte hat: Die alte Pflichtversicherung schloss Elementarschäden ein, und viele Verträge laufen weiter.
Wo sie trotzdem Pflicht ist
| Situation | Regel | Grundlage |
|---|---|---|
| Finanzierung | Die Bank verlangt eine Wohngebäudeversicherung als Kreditbedingung und wird als Gläubigerin in der Police eingetragen | Kreditvertrag; Versicherer bestätigen das als Regel |
| Wohnungseigentum | Die angemessene Versicherung des gemeinschaftlichen Eigentums zum Neuwert gehört zur ordnungsmäßigen Verwaltung, ebenso die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht | § 19 Abs. 2 Nr. 3 WEG |
| Vermietung | Keine Pflicht, aber die Kosten der Gebäudeversicherung gegen Feuer-, Sturm-, Wasser- und sonstige Elementarschäden sind auf Mieter umlegbar; der BGH hat 2018 bestätigt, dass die gesamte Prämie einschließlich Mietausfallanteil umlegbar ist | § 2 Nr. 13 BetrKV; BGH, 06.06.2018, VIII ZR 38/17 |
Was beim Hauskauf gilt
Kaufst du ein Haus, trittst du nach § 95 VVG an die Stelle des Verkäufers in den bestehenden Versicherungsvertrag ein, mit allen Rechten und Pflichten. Für die laufende Prämie haften Käufer und Verkäufer als Gesamtschuldner. Du kannst den Vertrag nach § 96 VVG kündigen, sofort oder zum Ende der Versicherungsperiode, aber nur innerhalb eines Monats nach dem Eigentumsübergang beziehungsweise nach Kenntnis von der Versicherung. Verpasst du die Frist, läuft der alte Vertrag weiter.
Nutz den Monat, um zu prüfen, ob der übernommene Vertrag Elementarschäden einschließt. Viele ältere Verträge tun das nicht.
Was ohne Versicherung passiert
Brennt ein unversichertes Haus ab oder läuft es bei einer Flut voll, bleibt der Schaden bei dir. Auf den Staat solltest du nicht setzen. Die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen am 1. Juni 2017, dass es über Soforthilfen hinaus nur noch Hilfe für diejenigen gibt, die sich erfolglos um eine Versicherung bemüht haben oder nur unzumutbare Angebote erhielten. Nach dem Hochwasser in Bayern 2024 wurden Hilfen um die Hälfte gekürzt, wenn der Schaden versicherbar gewesen wäre. Details stehen unter Wasserschaden: staatliche Hilfe.
Kommt eine Pflicht für Elementarschäden?
Eine Vollpflicht wie bei der Kfz-Haftpflicht ist nach Aussage der Bundesjustizministerin nicht geplant. Vorgesehen ist, dass neue Wohngebäudeversicherungen Elementarschutz im Marktstandard enthalten und Bestandskunden ein Angebot zur Erweiterung bekommen. Ein Referentenentwurf ist für das erste Quartal 2027 angekündigt. Den laufend aktualisierten Stand findest du unter Elementarversicherung Pflicht: Stand.
Was eine Wohngebäudeversicherung kostet
Die Stiftung Warentest hat im September 2026 182 Tarife für ein Musterhaus mit 150 Quadratmetern, Baujahr 2005, verglichen. Gute Tarife mit Elementarschutz gibt es demnach ab 635 Euro im Jahr in Regensburg (niedrigste Gefährdungsklasse) und ab 695 Euro in Bremen (Klasse 2). Teure Tarife kosten das Drei- bis Vierfache. Der Elementarbaustein allein liegt in der niedrigsten Klasse oft unter 100 Euro im Jahr. Vergleichen lohnt sich also mehr als Sparen am Baustein.
Quellen
- Landtag Baden-Württemberg, Drucksache 17/1352 (Ende der Pflichtversicherung 1994)
- CosmosDirekt: Ist die Wohngebäudeversicherung Pflicht?
- § 19 WEG · § 2 BetrKV · § 95 VVG · § 96 VVG
- Haufe: BGH, VIII ZR 38/17
- Bundestag hib: Beschluss der Ministerpräsidenten 2017 · Bayerische Staatsregierung: Ministerrat 04.06.2024
- GDV: Bundesregierung stellt Weichen für mehr Elementarschutz (09/2026)
- Stiftung Warentest: Wohngebäudeversicherung (09/2026)
Kurz beantwortet
Ist die Wohngebäudeversicherung gesetzlich vorgeschrieben?
Nein. Mit dem Ende der staatlichen Pflicht- und Monopolanstalten zum 1. Juli 1994 wurde die Pflicht zur Versicherung von Gebäuden aufgehoben. Seitdem ist sie freiwillig.
Verlangt die Bank eine Gebäudeversicherung?
In der Regel ja. Bei einer Finanzierung ist sie Kreditbedingung, und die Bank lässt sich als Gläubigerin in der Police eintragen.
Was passiert mit der Versicherung beim Hauskauf?
Sie geht nach § 95 VVG auf den Käufer über. Er kann sie nach § 96 VVG innerhalb eines Monats nach dem Erwerb kündigen, sofort oder zum Ende der Versicherungsperiode.
Darf der Vermieter die Gebäudeversicherung auf Mieter umlegen?
Ja. § 2 Nr. 13 der Betriebskostenverordnung nennt die Versicherung des Gebäudes gegen Feuer-, Sturm-, Wasser- und sonstige Elementarschäden ausdrücklich. Der BGH hat 2018 bestätigt, dass die gesamte Prämie umlegbar ist.