Im Schadensfall
Wasserschaden im Keller: wer zahlt was
Das Wichtigste in Kürze
- Erst die Ursache, dann die Versicherung: Rohrbruch ist ein Leitungswasserschaden, Starkregen und Rückstau sind Elementarschäden, Grundwasser ist meist gar nicht versichert.
- Für das Gebäude zahlt die Wohngebäudeversicherung, für Möbel und Vorräte die Hausratversicherung.
- Im Mietkeller trägt der Vermieter das Gebäude, der Mieter seinen Hausrat.
- Nachbar und Gemeinde haften nur in Ausnahmefällen. Staatliche Hilfe gibt es nach Katastrophen, aber nicht garantiert und oft gekürzt.
Die Ursache entscheidet
| Ursache | Gebäude | Hausrat |
|---|---|---|
| Rohrbruch, Heizung, Wasch- oder Spülmaschine | Wohngebäudeversicherung (Leitungswasser) | Hausratversicherung |
| Starkregen, Überschwemmung, Hochwasser | Nur mit Baustein Elementarschäden | Nur mit Baustein Elementarschäden |
| Rückstau aus dem Kanal | Elementar, in der Regel nur mit funktionierender Rückstausicherung | Elementar, gleiche Bedingung |
| Grundwasser durch Wand oder Bodenplatte | Nicht versichert, außer es ist an die Oberfläche getreten | Nicht versichert |
| Sturm (ab Windstärke 8) beschädigt das Dach, Regen dringt ein | Wohngebäudeversicherung (Sturm) | Hausratversicherung |
| Regen durch offenes Fenster oder undichtes Dach ohne Sturm | Nicht versichert; offenes Fenster gilt als grobe Fahrlässigkeit | Nicht versichert |
Die Verbraucherzentrale formuliert die Grenze bei Grundwasser so: Nicht versichert sind Schäden durch Grundwasser, wenn es nicht an die Oberfläche gelangt. Wie die Gerichte das auslegen, steht im Ratgeber Wasser durch Mauerwerk und Bodenplatte.
Mieter und Vermieter
Steht der Keller einer Mietwohnung unter Wasser, gilt die Trennung nach Eigentum: Das Gebäude ist Sache des Vermieters und seiner Gebäudeversicherung, die Kisten und Möbel des Mieters sind Sache seiner Hausratversicherung. Der Vermieter haftet für den Hausrat des Mieters nur, wenn ihn ein Verschulden trifft, zum Beispiel weil er von einer defekten Rückstauklappe wusste.
Ein nasser Keller kann die Miete mindern. Das Amtsgericht Lichtenberg sprach im März 2025 (10 C 111/24) fünf Prozent Minderung bei Wassereintritt in einen mitvermieteten Kellerraum zu. Das Landgericht Berlin (63 S 628/12) bejahte eine Minderung bei erheblich feuchtem Keller, das Amtsgericht Wedding (4 C 123/16) lehnte sie in einem anderen Fall ab. Die Höhe hängt immer vom Einzelfall ab.
Nachbar und Gemeinde
- Wasser vom Nachbargrundstück. Fließt Wasser von baulichen Anlagen des Nachbarn auf dein Grundstück, auch unterirdisch, hast du einen Unterlassungsanspruch nach § 1004 BGB (BGH, 12.06.2015, V ZR 168/14). Für Wasser, das natürlich von einem höher liegenden Grundstück abfließt, gilt das nicht (BGH, 18.04.1991, III ZR 1/90). Auch Gemeinden müssen sich an das Nachbar- und Wasserrecht halten (OLG Brandenburg, 07.08.2025, 5 U 89/24).
- Kanal der Gemeinde. Der Bundesgerichtshof verlangt, dass du deine Abläufe bis zur Straßenhöhe selbst sicherst (III ZR 263/96). Auf höhere Gewalt darf sich die Gemeinde nur berufen, wenn sie alle zumutbaren Maßnahmen nachweist (III ZR 121/05). Eine hälftige Haftung gab es beim OLG Hamm (11 U 185/21), weil ein Kanaleinlauf defekt war. Mehr dazu unter Rückstau: wer haftet.
Was du geltend machen kannst
| Versicherung | Übliche Positionen |
|---|---|
| Wohngebäude | Reparatur von Wänden, Böden, Türen und Haustechnik; Trocknung einschließlich Strom; Aufräum- und Abbruchkosten; Hotelkosten, wenn das Haus unbewohnbar ist |
| Hausrat | Reparatur oder Wiederbeschaffung zum Neuwert; Aufräum-, Transport- und Lagerkosten; Hotelkosten |
| Haftpflicht eines Verursachers | Nur Zeitwert, dafür auch Nutzungsausfall |
Zwei Fallen: Ein Selbstbehalt bei Elementarschäden ist üblich; die Verbraucherzentrale Niedersachsen beschreibt einen Fall, in dem er nach einem Schaden von 500 auf 10.000 Euro angehoben wurde. Und bei Unterversicherung kürzt der Versicherer anteilig. Ist die Hausratsumme 30 Prozent zu niedrig, bekommst du 30 Prozent weniger. Die Versicherer nennen als Faustwert 650 bis 750 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.
Fristen und Pflichten
- Schaden unverzüglich melden, in der Praxis am selben Tag. Fotos machen, nichts wegwerfen, keine Falschangaben.
- Schaden mindern: Wasser abstellen, Strom aus, Sachen hochstellen (§ 82 VVG).
- Obliegenheiten einhalten: Rückstausicherung funktionsbereit, Abflüsse frei, Hausrat im Keller erhöht lagern. Sonst droht Kürzung.
- Ansprüche verjähren nach drei Jahren (§ 195 BGB).
Die Schritte in den ersten Stunden stehen unter Wasser im Keller: was tun.
Staatliche Hilfe
Nach Katastrophen gibt es Soforthilfen, aber mit Bedingungen. Die Ministerpräsidenten beschlossen 2017, dass über Soforthilfen hinaus nur noch unterstützt wird, wer sich erfolglos um eine Versicherung bemüht hat. Bayern zahlte nach dem Hochwasser im Juni 2024 bis zu 5.000 Euro je Haushalt für Hausrat und kürzte um 50 Prozent, wenn der Schaden versicherbar gewesen wäre. Nach der Flut 2021 übernahm der Wiederaufbaufonds in Nordrhein-Westfalen bis zu 80 Prozent. Verlass dich nicht darauf: Welche Hilfe es gibt, entscheidet die Politik nach jedem Ereignis neu.
Quellen
- Die Versicherer (GDV): Wasserschaden, welche Versicherung zahlt
- Verbraucherzentrale: Versicherungsschutz gegen Elementarschäden
- Stiftung Warentest: Wasserschaden, welche Versicherung wann zahlt (02/2026)
- ERGO Rechtsportal: Hochwasser im Keller (Mietrecht) · Berliner Mietergemeinschaft: AG Lichtenberg 10 C 111/24 · baulinks: Urteile zu feuchten Kellern
- BGH, V ZR 168/14 · BGH, III ZR 1/90 · OLG Brandenburg, 5 U 89/24
- Die Versicherer: Unterversicherung Hausrat (2023) · Verbraucherzentrale Niedersachsen: Faktenblatt Elementarschadenversicherung
- § 82 VVG · § 195 BGB
- Bayerische Staatsregierung: Ministerrat 04.06.2024 · Handwerksblatt: Wiederaufbauhilfe NRW 2021 · Bundestag hib: Beschluss der Ministerpräsidenten 2017
Kurz beantwortet
Welche Versicherung zahlt bei Wasser im Keller?
Das hängt von der Ursache ab. Rohrbruch: Wohngebäude- und Hausratversicherung. Starkregen, Überschwemmung, Rückstau: nur mit dem Baustein Elementarschäden. Grundwasser, das von unten eindringt: in der Regel keine.
Wer ist zuständig, wenn der Keller einer Mietwohnung unter Wasser steht?
Für das Gebäude die Gebäudeversicherung des Vermieters, für die Sachen des Mieters seine eigene Hausratversicherung. Der Vermieter haftet für den Hausrat nur bei eigenem Verschulden, etwa einer bekannten defekten Rückstauklappe.
Was kann ich nach einem Wasserschaden geltend machen?
Bei Gebäudeschäden die Reparatur, Trocknung, Aufräum- und Abbruchkosten sowie Hotelkosten, wenn das Haus unbewohnbar ist. Bei Hausrat Reparatur oder Wiederbeschaffung zum Neuwert plus Aufräum-, Transport- und Lagerkosten.
Haftet die Gemeinde, wenn der Kanal überläuft?
Fast nie. Der Bundesgerichtshof verlangt, dass Eigentümer sich bis zur Straßenhöhe selbst gegen Rückstau sichern. Nur bei konkreten Fehlern wie einem defekten Einlauf kam es zu einer Teilhaftung.